Was hilft gegen unsere Sprachlosigkeit?

Es ist paradox: Wir haben eine noch nie dagewesene Vielzahl an Kommunikationswegen geschaffen, und nutzen sie nur als Einbahnstraßen. Netzwerke bieten technologisch alles, was es für den Dialog braucht. Und doch sind sie meist nur eine Bühne für Monologe – ohne echtes Interesse an anderen und an dem, was sie denken, fühlen und sagen. Die großen Probleme unserer Zeit lassen sich jedoch nur gemeinsam lösen, und dazu braucht es das Gespräch, also wechselseitige statt einseitiger Kommunikation.

In seinem neuen Beitrag für FOCUS Online plädiert unser Stiftungspräsident Prof. Dr. Thomas Druyen deshalb dafür, wieder zu einem ehrlichen, offenen Austausch zurückzukehren, in dem nicht nur gesprochen, sondern vor allem zugehört wird. Seine auf den ersten Blick überraschende Überzeugung: Künstliche Intelligenz (KI) kann uns helfen, zu einer Kommunikation zurückzufinden, die von Klarheit, Aufrichtigkeit und Kooperationswillen geprägt ist.

Keine Kommunikation, keine Orientierung, keine Gewissheit

Es ist bereits die schiere Menge an Informationen, die uns lähmt und orientierungslos macht – sowie die Vielzahl an Kanälen, über die diese Informationen verbreitet werden. Die Welt selbst ist hochkomplex, doch noch mehr macht es die Flut an Informationen unmöglich, den Überblick zu behalten, Wahrheiten von Unwahrheiten und Tatsachen von Meinungen zu unterscheiden.

Eine weit verbreitete, aber verhängnisvolle Strategie ist es daher, nur noch das zu hören, was man hören will, und nur noch das zu sagen, von dem man glaubt, dass es andere hören wollen (wenn sie denn zuhören). Entscheidend ist also, was nach außen Eindruck macht oder zumindest nicht aneckt. Viele von uns haben es sich bequem gemacht in ihren kommunikativen „Blasen“ und wollen und können Meinungen, die nicht ihre eigenen sind, nicht gelten lassen. Damit stirbt in der Gesellschaft jedoch das, was gelingende Kommunikation letztlich ausmacht: der offene, ehrliche Austausch von Sichtweisen sowie die Bereitschaft, Kompromisse zu finden und gemeinsam Probleme zu lösen.

 

KI kann helfen – aber nicht allein

Wie aber verlassen wir diese Einbahnstraße, die uns geradewegs in die Sprachlosigkeit geführt hat? Wie kehren wir zu einer – im wörtlichen und übertragenen Sinn – für alle gesunden Kommunikation zurück? Und wie gewinnen wir Überblick und Orientierung in einer hochkomplexen, von Widersprüchen durchzogenen Welt?

Für Thomas Druyen steht fest: KI kann die Lösung sein. Was auf den ersten Blick überraschend und paradox klingt – KI befeuert, so Druyen, „die Datenflut, algorithmisiert die Echokammern und optimiert die Sucht nach Bestätigung“ –, gewinnt auf den zweiten Blick an Überzeugungskraft: „KI kann Muster erkennen, wo der Mensch nur Rauschen wahrnimmt. Sie kann Inhalte gewichten, Komplexität filtern, emotionale Tonlagen analysieren und Gespräche strukturieren. Sie kann helfen, Missverständnisse aufzulösen, emotionale Dynamiken zu erkennen und Diskussionen zu moderieren. Sie kann Daten tiefgehend auslesen, um eine objektive Grundlage zum gemeinsamen Handeln zu schaffen.“

Doch KI allein kann das gegenwärtige Dilemma nicht lösen – in erster Linie ist und bleibt der Mensch gefragt. Er muss die Ergebnisse der KI zur Kenntnis nehmen und gewillt sein, zu einer Kultur des gegenseitigen Zuhörens, Verstehen-Wollens und Kooperierens zurückzukehren. Er muss, so Druyens Forderung, eine „Medien- und Zukunftskompetenz“ entwickeln, die ihn in die Lage setzt, „das Glaubwürdige vom Fake“, das Wesentliche vom Unwesentlichen und Wahrheit von Meinungen zu unterscheiden. Das alles aber wird er nicht allein schaffen, sondern nur gemeinsam mit anderen Menschen – und dazu braucht es: eine offene, ehrliche und von Respekt getragene Kommunikation.

Zum Beitrag von Prof. Dr. Thomas Druyen auf FOCUS Online geht es über diesen Link:

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