Prävention statt „Reparatur“: Mit Physiotherapie Milliarden sparen
Geld ist im Gesundheitswesen ein beherrschendes Thema: Die Kosten explodieren, nach Einsparmöglichkeiten wird gesucht. Aber wie lassen sich Kosten sparen, ohne Einbußen in der Versorgung hinnehmen zu müssen? Für Druyen liegt die Lösung in der Stärkung der Physiotherapie: Mit ihr lassen sich Milliardenbeträge sparen und gleichzeitig unzählige Menschen vor körperlichem Leid schützen. Denn eine professionelle Prävention, wie sie die physiotherapeutische Behandlung bietet, kann helfen, zahlreiche kostspielige Operationen zu vermeiden. Das bestätigen 65 Prozent der in der PhysioStudie 2025–2035 befragten Physiotherapeuten.
Das Problem jedoch: Physiotherapie kommt oft viel zu spät zum Einsatz – und zwar häufig dann, wenn Beschwerden bereits chronisch oder Operationen unvermeidbar sind. Warum dieser späte Einsatz? Physiotherapeuten dürfen Patienten nicht ohne ärztliche Verordnung behandeln. Für den Patienten heißt das, dass ihn sein Weg erst zum Arzt führt, der dann eine physiotherapeutische Behandlung verordnet.
Direktzugang statt bürokratischer Hürden
63 Prozent der in der PhysioStudie 2025–2035 befragten Physiotherapeuten wünschen sich daher den sogenannten Direktzugang: Der Patient kann sich direkt an den Physiotherapeuten seiner Wahl wenden. 85 Prozent der Befragten trauen sich dabei eine korrekte Erstdiagnose zu, und 73 Prozent erleben, dass ärztliche Diagnosen oft „ungenau“ oder „falsch“ sind. Ein Direktzugang, wie er in anderen Ländern bereits eingeführt ist, spart Zeit, entlastet die Hausarztpraxen und sorgt für eine frühzeitigere Behandlung.
Welch enormen wirtschaftlichen Vorteil eine Stärkung der Physiotherapie hätte, machen Druyen und die PhysioStudie 2025–2035 an Zahlen fest: Wenn zum Beispiel 20 Prozent von vier häufigen, orthopädisch begründeten Eingriffen wie Knie- oder Hüftgelenkersatz durch frühzeitige Physiotherapie verhindert werden können, ergibt sich ein Einsparpotenzial von mindestens 1,52 Milliarden Euro pro Jahr – eine gewaltige Summe, die sich noch weiter erhöht, rechnet man weitere Operationen mit ein.
Ein Weckruf an Politik und Gesellschaft
Für Druyen ist klar: „Es ist nicht nur fahrlässig, sondern auch volkswirtschaftlich unsinnig, die Physiotherapie weiter in ihrer Entwicklung zu bremsen.“ An die Politik stellt er deshalb mehrere Forderungen: Sie solle den Direktzugang ermöglichen – „Patienten sollten selbst entscheiden, wann sie einen Physiotherapeuten aufsuchen. Das spart Zeit und Kosten und verbessert die Versorgungsqualität.“ Prävention solle, so eine weitere Forderung, fester Bestandteil betrieblicher Gesundheitsvorsorge, von Schulprogrammen und der Altersversorgung sein. Drittens müsse die Digitalisierung vorangetrieben werden: Moderne Technologien wie KI-gestützte Diagnostik, Teletherapie und Wearables unterstützen sowohl die physiotherapeutische Arbeit als auch die Gesundheit der Patienten. Schließlich gelte es, die Akademisierung zu stärken – Physiotherapie sollte als wissenschaftlicher Beruf anerkannt werden, um dessen Qualität und Attraktivität zu steigern.
Druyens Fazit: „Entweder Deutschland hält an einem ineffizienten Modell fest und nimmt unnötige Operationen, lange Wartezeiten und steigende Gesundheitskosten in Kauf – oder es nutzt die Chancen, die eine gestärkte Physiotherapie bietet. Die Zahlen und Fakten sprechen eine deutliche Sprache.“
Zum FOCUS Online-Beitrag von Prof. Dr. Thomas Druyen geht es über den obenstehenden Link. Ein weiter Link führt zu den Ergebnissen der PhysioStudie 2025–2035.