Interview: Was bedeutet die EM 2024 für unsere Stimmung?

Die EM 2024 ist gestartet und für viele Deutsche vier Wochen lang das wichtigste Thema. Ist Politik damit unwichtig geworden? Nein, ist Prof. Dr. Thomas Druyen überzeugt. Denn insbesondere das Abschneiden der deutschen Elf beeinflusst, wie wir auf die aktuelle Politik blicken.

Zum Bild-Interview

 

Der Fußball sorgt für Stimmung in der gesamten Gesellschaft

Europa schaut auf Deutschland, Gastgeber der Fußball-Europameisterschaft 2024. Und die meisten von uns schauen auf die deutsche Elf: Wie weit wird sie im Turnier kommen? Wird sie den Titel gewinnen – oder scheidet sie in der Vorrunde oder zum Beispiel im Halbfinale aus? Im Interview mit der BILD-Zeitung erklärt Prof. Dr. Thomas Druyen, Zukunftsforscher und Präsident der opta data Zukunfts-Stiftung, warum und wie das unseren Blick auf die aktuelle Politik prägt. Denn Fußball und Politik waren schon immer eng verbunden.

Die Stimmung in Deutschland könnte besser sein: Krisen in Dauerschleife, Konjunkturflaute, eine Politik, die den Problemen vermeintlich mehr hinterherrennt als sie zu lösen, und vieles mehr drückt vielen Deutschen aufs Gemüt. Da ist Fußball eine gelungene Abwechslung und für die Politik eine Chance, von der aktuellen Fußball-Begeisterung zu profitieren – vorausgesetzt, die Erfolge stellen sich ein.

Wie steht Deutschland in Europa?

Ein frühes Aus der deutschen Elf wäre, so Druyen, „fast symbolisch die Bestätigung, dass wir zurzeit nur noch wenig hinbekommen“. Mit anderen Worten: Die EM-Begeisterung war nur von kurzer Dauer, die Stimmung bleibt schlecht. Mit einem Ausscheiden im Achtel- oder Viertelfinale bliebe eine „Blamage“ zwar erspart, doch würde sich der Eindruck verfestigen, „dass wir innerhalb Europas an Bedeutung verlieren und weniger richtig machen als die anderen“.

Wie sieht aus, wenn die deutsche Nationalmannschaft wie im Sommermärchen 2006 erst im Halbfinale ausscheidet? „Dann wären wir emotional schon ein gutes Stück weiter. Es hätte erfolgreiche Spiele gegeben, die immer mehr Öffentlichkeit erzeugt und somit auch die Erwartungshaltungen nach oben geschraubt hätten“, so Druyen gegenüber der BILD-Zeitung. Die allgemeine Stimmung im Land wäre beflügelt.

Viel wichtiger: Nicht allein der Erfolg zählt!

Und was würde es bedeuten, wenn „wir“ tatsächlich Fußball-Europameister werden? „Das wäre tatsächlich wieder ein Märchen, das den sich immer weiter ausbreitenden Frust eindämmen könnte. Die Sehnsucht, gemeinsam Grund zu feiern zu haben, könnte viele Verspannungen für einige Zeit emotional aushebeln.“ Denn, so Druyen: „Ein solches sportliches Hochgefühl hat durchaus psychologische Effekte, die nachhaltig wirken können.“

Als Soziologe und Zukunftsforscher weiß er allerdings auch: Dieses Hochgefühl dreht nicht die Realität – die müssen wir schon selbst gestalten. Und schließlich: Nicht der Fußball macht das erhoffte Sommermärchen, sondern die Menschen. Offenheit und Toleranz als gute Gastgeber der EM 2024 sowie die Fähigkeit, selbst im Fall eines Ausscheidens der deutschen Elf anderen den Erfolg zu gönnen – das ist es, was ein neues Sommermärchen auszeichnet und die Stimmung im Land hebt.

Zum vollständigen Interview geht es über den oben angegebenen Link.

 

Diesen Beitrag der opta data Zukunfts-Stiftung teilen: